Überrascht und Überwältigt

Quelle: Donaukurier

Riedenburg (DK) Reinhard Baumann ist mit dem Ehrenamtspreis 2018 ausgezeichnet worden. Bei der Gala gestern Abend wurde dem 68-Jährigen die Auszeichnung überreicht. Das Motto lautete "Kirchliches Leben". Baumann engagiert sich in mannigfaltiger Weise für die evangelische Gemeinde in Riedenburg und Altmannstein.

"Liebe Fangemeinde von Reinhard - lieber Reinhard": So beginnt Altmannsteins Bürgermeister Norbert Hummel (CSU) seine Laudatio für den diesjährigen Ehrenamtspreisträger. In seiner Rede wolle er sagen, warum er finde, dass Reinhard Baumann ein wichtiger Mensch, Aktivist und Organisator sei. Als er bei der Jurysitzung gebeten worden sei, die Laudatio zu halten, hab er sofort Ja gesagt - und danach über viele Dinge nachgedacht. Was sagt man in wenigen Minuten über jemanden, der bereits so viele Spuren hinterlassen hat? "Diese Spuren sind teilweise versteckt, denn Reinhard ist keiner, der die große Bühne sucht, er arbeitet in der zweiten Reihe, er organisiert und kümmert sich um vieles und überlässt die große Bühne anderen."

Was also sagen und was weglassen? Hummel betont, er werde nur Teile aus dem Leben des Preisträgers erzählen und versuchen ein Bild zu vermitteln, das Reinhard Baumann gerecht wird. Seit über 30 Jahren sei er ehrenamtlich tätig, beweise dort Geduld und Ausdauer. Nach einem kurzen Intermezzo in München - auch aus beruflichen Gründen - kehrte Baumann in die Heimat ins Schambachtal nach Sollern zurück. Kurze Zeit später habe er angefangen, in der evangelischen Kirchengemeinde Riedenburg tätig zu werden, wurde 1989 in den Kirchenvorstand gewählt. 1993 habe Reinhard Baumann die Redaktion des evangelischen Gemeindebriefes übernommen, der vierteljährlich mit einer Auflage von rund 800 Exemplaren erscheint. Seitdem kümmere er sich um die redaktionelle Arbeit sowie die Gestaltung. "Reinhard wäre nicht Reinhard, wenn er sich nicht auch noch gleich um die Verteilung des Gemeindebriefes selbst kümmern würde", sagt Hummel.

Altmannsteins Bürgermeister erklärt außerdem, dass Baumann im Laufe der Jahre zum Kirchenpfleger wurde und damit verantwortlich für den Haushalt und die Finanzplanung in der Pfarrei ist. Zudem kümmere er sich um die Verwaltung der Homepage. "Er hat sich nie davon abhalten lassen nachzudenken, wo er gebraucht wird und zu handeln." Hummel weist dabei auf ein herausragendes Beispiel hin: Die Vakanz der Pfarrstelle in der Christusgemeinde Riedenburg. "Eine gewisse Zeit war Reinhard Baumann für die evangelische Kirchengemeinde tatsächlich unersetzlich. Er war eine der tragenden Stützen, die sich um das Wohl der Kirchengemeinde gesorgt haben. Wie ein Fels in der Brandung hat er allen Stürmen und Widrigkeiten getrotzt, bis die Pfarrstelle wieder besetzt werden konnte."

Am Ende seiner Laudatio kehrt Hummel wieder an den Anfang zurück. Was sagt man über jemanden, der so viel Ehrenamt macht? "Und wie schaffe ich es dabei, Reinhard heute auf der großen Bühne gebührend zu würdigen, obwohl ich weiß, dass er sie nicht sucht und lieber im Hintergrund wirkt." Er hoffe, er habe geschafft, aufzuzeigen, was für ein aktiver und lebhafter Mensch der Ehrenamtspreisträger ist. "Du überzeugst andere Menschen, weil du viel weißt, viel kannst und hartnäckig bist. Bleib so aktiv, wie du bisher warst."

Zu Beginn der Ehrenamtsgala weist Harald Rast, Leiter der Riedenburger Lokalredaktion des DONAUKURIER, der den Preis Jahr um Jahr mit der Raiffeisenbank Riedenburg-Lobsing auslobt, auf das Thema hin: "Kirchliches Leben". Als erste ehrenamtlich tätige Christen nennt er die Jünger Jesu. Sie und auch der Barmherzige Samariter seien die Urbilder des christlichen Ehrenamts - auch, wenn der Begriff erst im 19. Jahrhundert entstand. "Die Beteiligung der Laien spielt bis heute in beiden Kirchen eine herausragende Rolle. Der evangelische Reformator Martin Luther stellte fest, dass man, um Gott zu dienen, nicht Mönch, Nonne oder Priester sein müsse. Jeder könne Gott da dienen, wo sie oder er im Leben steht", beschreibt Rast. Gerade in Zeiten des zurückgehenden Kirchenbesuchs seien die im kirchlichen Leben ehrenamtlich Tätigen wichtige Bindeglieder zwischen Pfarrer und Gemeinde.

Und was sagt Reinhard Baumann selbst? Der bleibt ob seiner Überraschung erst einmal sitzen. "Ich muss jetzt erst einmal durchschnaufen, weil ich so gelobt worden bin", sagt er nach Hummels Laudatio, als er doch noch ans Mikrofon tritt. Er habe nicht damit gerechnet, den Ehrenamtspreis zu erhalten. "Dafür freue ich mich umso mehr, das ist eine tolle Sache für mich." Er halte viel von Ökumene, seine Frau Gerti sei katholisch und auch in seiner Kindheit und Jugend habe der Kirchgang mit den katholischen Cousinen immer dazugehört. Während seiner Zeit in Sollern habe er den Eindruck gewonnen, dass die evangelische Note in der Region fehle und es sei ihm darum wichtig gewesen, sich für die Schärfung des Profils der Christusgemeinde einzusetzen. "Wir wissen alle, dass die evangelischen Kirchen in der Region weit auseinander liegen. Darum ist so ein Gemeindebrief eine gute Sache, um alle Gläubigen zu erreichen", betont er - sichtlich überwältigt.

Kathrin Schmied (Donaukurier)